Küchensession #19 | Wolfgang Müller

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“Auf die Welt” heißt das neue Album von Wolfgang Müller. Fast drei Jahre hat die Arbeit an den gerade mal gut 30 Minuten Musik gedauert, und entstanden ist ein Konzentrat an Lyrik und schlauen Gedanken, das man in ausreichend Zeit auflösen sollte um es richtig genießen zu können. Denn es ist unmöglich, gleich beim ersten Hören alle Ebenen der Lieder zu erfassen, musikalisch wie inhaltlich. Betroffenheit oder Herzschmerz findet sich auf diesem Album nicht, auch Verbitterung sucht man vergebens. “Traurig sein ist keine Option” ist der letzte Satz des letzten Liedes auf dem Album, es hätte auch der erste sein können. Denn mit derselben Ruhe und Selbstironie, mit der Müller mit seiner kleinen Taschenlampe die großen und kleinen Qualen des Lebens anleuchtet, lässt er den Lichtkegel weiterwandern, ohne zu klagen.

Dabei darf “Auf die Welt” durchaus doppeldeutig verstanden werden. Als Schlachtruf zum sich-ins-Leben-Stürzen wie bei “Auf dem Weg zu einem Mord”, als Toast mit erhobenem Glas auf all die verpassten Gelegenheiten (“Später gern”), Träume und verschrobenen Gedanken die ins Nichts münden (“Im Verhältnis”), auf die Verlorenheit (“Ansonsten der Sommer”) oder das Vergessen (“Goldfisch”). Und nicht zuletzt als ein anderer Ausdruck für einen (Neu-)Anfang, denn mit “Auf die Welt” hat Wolfgang Müller nach eigenem Bekunden das Album gemacht, das er schon immer machen wollte.

Ein Album, auf dem jede Note und jedes Instrument von ihm geschrieben und arrangiert wurde, mit Texten die man immer weiter auseinander falten kann ohne zu einem Ende zu gelangen, und vor allen Dingen – mit all der Ruhe und Geduld die es braucht, den Dingen wirklich auf den Grund zu gehen. Vollkommen ohne Kompromisse, mit Mut zur Lücke, denn Bass und Schlagzeug sucht man in den Songs vergeblich, und dem unbedingten Willen zur Schönheit und Schlichtheit, ohne banal zu werden. Meist reicht die filigran gezupfte Gitarre und ein Klavier, um den Geschichten eine ganze Welt unter die Füße zu legen. Und trotzdem klingt das Album groß und wuchtig, nicht zuletzt Dank der vielen Chöre, die die Songs auf dem Album begleiten, und ebenso nicht zuletzt dank Peter Schmidt (Peter Fox, Wir sind Helden), der das Album gemischt und ihm Tiefe und Dichte zugleich mit auf den Weg gegeben hat.

“Ich werd’s dir nicht erklären können wenn du es nicht von selbst verstehst” singt Müller in “Auf dem Weg zu einem Mord”, und weiter: “Allüberall auf den Feldern lodern Feuer auf dem Weg in die Nacht, so oder so, zieh ich nur die Schleier weg, werf’ dich dem Leben zum Fraß vor.” Keine Geduld mehr für falsche Romantik oder sentimentale Verklärung. “Schlechtes ist niemals gut gemeint” hört man in “Am Strand”, und als letztes Zitat: “Im Land der verlorenen Gliedmaße wirst du kein Teil von mir finden.” Alles dran und alles da, wo es hingehört. Es geht bergab mit der Welt. Nichts wie drauf.

Live @ Hamburger Küchensessions Festival 2012:

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