Küchensession #242 | Louka

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LOUKA, die es vor zwei Jahren nach Berlin verschlug, hat eine dieser Stimmen, die man nur einmal zu hören braucht — und danach nie wieder vergisst. Sie singt ihre eigenen, beobachtenden Texte in deutscher Sprache, vor allem aber ist ihre Phrasierung, ihr Vortrag einzigartig. Ihrer gesanglichen Performance, die wirkungsvoll von Beats getragen und in minimalistische Pop-Arrangements gebettet ist, kann man sich daher nur sehr schwer entziehen. Eine junge Künstlerin, die nicht nur weiß, wohin ihr Weg sie führen wird. Man hört eine Musikerin, die ihre ganz eigene Art gefunden hat, wieder erkennbar zu bleiben — und hinter diesen stilistischen Merkmalen ganz eigene Geschichten zu erzählen vermag.

LOUKA: „Ich beobachte. Ich trage immer ein Notizbuch mit mir herum, um Zeilen aufzuschreiben, die mir begegnen, eine Art unterbewusste Recherche — in der U-Bahn, auf einem Plakat, in der Zeitung, ein Fundstück beim Aufschnappen von Gesprächsfetzen. Aus diesen Schnipseln collagiere ich meine Songs. Zuhause habe ich ein ganzes Bücherbord voll mit diesen Notizbüchern, die alle dieselbe Farbe und dasselbe Format haben. Das ist mein Textschatz, mein Steinbruch der Ideen und Sätze, aus dem ich schöpfe.“

Damit ist LOUKA ein Glücksfall in der deutschsprachigen Popmusik. Auch wenn sie Stein und Bein schwört, dass die herausragenden Bands der NDW keinesfalls für ihre Musik Pate gestanden haben, so knüpft LOUKA doch an das Emotional-Spielerische, an das Prinzip des Authentischen im Künstlichen, überhaupt an eine ernsthafte Leichtigkeit an, für die NDW-Bands wie Ideal, Grauzone oder Spliff einst gestanden haben. Tatsächlich glaubt LOUKA an die alte Maxime in der Kunst, dass die Wirklichkeit wichtiger ist als die Wahrheit, dass das authentische Ich hinter einer konstruierten Identität zurücktritt.

Dabei werden bei LOUKA auch musikalisch unglaubliche Spielräume geöffnet.

Ganz eigene, sparsame Beats, funky-minimalistischen Gitarren-Licks und eigenwilligen Synth-Melodien machen die Klangwelt um LOUKAS Stimme sofort wieder erkennbar. In den dreizehn Songs ihres Debütalbums „LAMETTA“ singt sie über Begegnungen, Liebe, Trennungen, Freundschaften, Identitätsfindung – Bewegung und Stillstand.

„Für mich ist das Album eine Aufzeichnung der letzen 3 Jahre. Jemand nannte das mal „rotzige Zerbrechlichkeit“ und ich mochte das. „Lametta“ beschreibt für mich treffend die Phasen, die ich in dieser Zeit durchlaufen habe. Es gaukelt dir Glanz und etwas Schillerndes vor, aber im Grunde genommen sind es nur billige Plastikstreifen aus Polyesther. Dann hab ich versucht, das Ganze für mich in der Musik umzudrehen. Nimm dir das, was dich auf den zweiten Blick enttäuscht hat und wirf Lametta drüber. So sind für mich auch die Songs, es gibt immer einen Twist ins Positive oder Hoffnungsvolle. Irgendwann wenden sie sich der Sonne zu. Oder in dem Fall vielleicht der Diskokugel“

Es sind immer und immer wieder LOUKAS bizarr-inspirierte Wortcollagen, die den Hörer festhalten. In dem herausragenden Song „Flimmern“ etwa singt sie zum minimalistischen Stakkato eines Elektrodisko-Beats: „Euphorie ist die Energie, die meine Gedanken in Bewegung übersetzt“

Zweifellos haben wir es hier mit einer Musikerin zu tun, die zwar erst am Anfang steht, aber bereits jetzt eine eigene Stimme und ihre eigene Art gefunden hat. Dramaturgisch geschickt platzierte Sound-Spielereien spiegeln die ansonsten vorherrschende Reduktion auf das Wesentliche, und darin liegt die Kraft von LOUKA. Und vielleicht wirken ihre Songs auch gerade deshalb so emotional auf den Hörer, weil sie ihre eigenen Gefühle über Bande spielt, andere, sprich: Zitate, für sich sprechen lässt.

LOUKA ist eine Sollbruchstelle im Spielbetrieb des Pop, eine clevere und zugleich verspielte Beobachterin der Zeit und der Emotionen, eine, die wir ab sofort nicht mehr dem Blickfeld unserer Radare entwischen lassen sollten.

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