Küchensession #42 | Immanu El

IMMANU EL ON THE WEB: http://www.immanu-el.com

In fünf Jahren kann viel passieren. Kinder lernen laufen und sprechen, Menschen verlieben sich oder leben sich auseinander. Fünf Jahre sind im echten Leben schon eine lange Zeit. Im Musikgeschäft aber ist das eine Ewigkeit. Fünf Jahre ist das letzte und dritte Album „In Passage“ der Schweden von Immanu El mittlerweile alt. Und natürlich hört man ihrer neuen Platte „Hibernation“ die Zeit an, die seitdem verstrichen ist. Wie könnte man nicht?

Die Misere begann eines Abends im Jahr 2012 bei einem Konzert der Band in ihrer Wahlheimat Göteborg. Plötzlich stand neben Immanu El auch eine Gruppe Polizisten auf der Bühne und zog die Stecker. Sie waren der Meinung, die Band hätte keine Genehmigung, bei der Veranstaltung Alkohol auszuschenken und schickte bald darauf den Bußgeldbescheid mit einer saftigen Strafe. Immanu El wollten und konnten nicht zahlen. Zudem stand die erste USA-Tour der Band vor der Tür und sie wussten, würden sie sich schuldig bekennen, könnten sie Probleme bei der Einreise in die pingeligen Staaten bekommen. Also legten sie Einspruch ein, der sich in ein Gerichtsverfahren entwickelte und erst zwei ganze Jahre später nach unzähligen Anhörungen und Bergen von Papierkram in einem Freispruch vor dem obersten Gerichtshof endete: „Der Rechtsstreit war ein Energie-Blutsauger“, sagt Sänger Claes. Kein Wunder also, dass die Band darauf brannte ein neues Album zu schreiben, als die Sache endlich ausgestanden war.

Nur wo sollten sie anfangen? Die Genregrenzen des Postrock hatten sie bereits mit dem letzten Album „In Passage“ hinter sich gelassen, waren poppiger geworden, fokussierter. Die neuen Songs sollten diese Entwicklung weiterführen, sollten moderner, ja elektronischer klingen. „Die letzten Alben hatten wir jeweils in ein paar Tagen live eingespielt. Für die neuen Songs wäre das nicht der richtige Weg gewesen“, ist sich Claes sicher. Also beschlossen Immanu El zum ersten Mal in ihrer Karriere einen Produzenten damit zu beauftragen, ihnen zu helfen, ihre Vision für „Hibernation“ auszuarbeiten. Auf der Wunschliste für den Job ganz oben stand Johan Eckeborn, der sich zuletzt für seine Arbeit mit Jonathan Johansson und dessen Album „Lebensraum!“ eine Grammy-Nominierung abgeholt hatte. Mit ihm an Bord nahm die Arbeit endlich Fahrt auf.

Die neuen Immanu-El-Songs sind fokussierter als je zuvor. Auf den letzten Alben deutete die Band oft nur an, wie viel Pop in ihnen steckt und schmückte die Melodien und Refrains geschickt mit ausladenden Arrangements aus. Die neuen Songs wie „Voices“, „Winter Solstice“ und „Omega“ kommen dagegen schnell auf den Punkt und setzen ihre fast schon radiotauglichen Refrains gekonnt in Szene. Der Versuchung, ihre Songs dramaturgisch auszuschmücken, haben Immanu El diesmal ganz bewusst widerstanden. Eine mutige Entscheidung, denn offenbaren simple Pop-Strukturen schnell Schwächen im Songwriting. Nicht so bei „Hibernation“. Dazu klingen die Schweden trotz der musikalischen Entwicklung immer noch ganz wie sie selbst: „Wir waren uns alle einig, dass wir jetzt erst recht ein Album aufnehmen wollten, das uns selber umhaut!“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *