Küchensession #253 | GLORIA

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Im besten Fall vermittelt der Live-Betrieb einer Band, wo sie gerade steht – welche Songs aus dem Repertoire noch gehen und wo sich professionelle Ermüdung eingeschlichen hat. Klaas Heufer-Umlauf und Mark Tavassol wissen, dass „die spielerische und inhaltliche Lebendigkeit eines Albums eine Halbwertzeit besitzt“. Was lag da näher, als sich dem Publikum mit einem Bündel neuer Lieder zu stellen, das die organische Entwicklung dieser Band an den gesellschaftlichen Gegebenheiten da draußen ganz aktuell spiegelt? Also: Was wagen, frische Felder bestellen, ohne Angstschweiß alte Sicherheiten aufgeben. Und das Album nimmt diesen Schwung in vielen lebhaften Liedern mit, die wir so bislang nicht von GLORIA kannten. Es hat aber auch noch diese ganz spezielle Melancholie, die die beiden unter dem Namen GLORIA subkutan zu verabreichen wissen.

Am 13. Oktober 2017 erschien nun das dritte Album ihrer Band mit dem einfachen wie vielsagenden Titel „DA“. Hurra, wir leben noch! Eine Anwesenheitsbestätigung, sicher, aber eben auch noch viel mehr: Richtungsanzeiger und Ausweis der Neugierde und Wachheit, die den Musikern bei der Produktion ihres Werkes so dienlich gewesen sind.

„Es ist jetzt nicht so, dass wir uns sechs oder acht Wochen in eine skandinavische Hütte zurückgezogen haben, wie man sich das vielleicht bei einem Duo vorstellt. Der Prozess zog sich über anderthalb Jahre“, erzählt Mark Tavassol. Genug Zeit, um sich über das zu beratschlagen, was sie in den Texten erzählen wollten, um mit den Instrumenten die Songs auszumalen und gegebenenfalls noch einmal alles zu löschen und bei Null anzufangen. Jedes dieser Lieder springt mit offenen Augen und Ohren durch die Welt, wie sie die beiden wahrnehmen und erkennen. „Am Ende habe ich immer das Gefühl, dass einige Themen, die uns in dieser Phase beschäftigt haben, sich durch das Album ziehen, ohne dass wir es jemals wollten. Das ist ein Abdruck der Kultur, die wir in unserer Freundschaft pflegen“, sagt Klaas Heufer-Umlauf.

Das ist schön gesagt, Klaas, es trifft vor allem ins Schwarze. Die Band GLORIA legte in jeder Phase ihres Bestehens etwas von dem Umgang frei, den die beiden Musiker mit sich und ihrem Ambiente pflegten. Was vor neun Jahren mit Privatsessions in Hamburger Einzimmer-Appartements begann, ist zu einem amtlichen Ding von Band geworden, das auf die Werbetrommelei verzichten kann, die sich aus den Biografien der beiden aufdrängte. Mark Tavassol, Sohn eines iranischen Vaters und einer deutschen Mutter, spielte bis 2012 Bass bei den etwas anderen Charts-Stürmern Wir sind Helden. Klaas Heufer-Umlauf katapultierte sich im Verein mit Joko Winterscheidt an die Pole Position jener etwas unziemlichen Fernsehunterhaltung, nach der wir alle ziemlich gierten. Jahrelang war er auf der anderen Seite der Musik unterwegs, als Moderator auf Festivals mit dem Mikro in der Hand, heute ist er überrascht, „wie normal es sich anfühlt, in einer Band zu spielen“.

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