Küchensession #211 | CORTEZ

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Ricardo Cortez | Voc, Git, Looper
Gomez | Bass, E-Git, Back-Voc
Torsten Otto | Drums, Samples, Perc

Beach-Boys goes Latino-German-Schwermut
Da kommt was auf Dich zu: Es ist bunt, es ist lebendig und es ist toll! Abseits des Hipster-Mainstreams, fern aller detailgetreuen Retrobastelei, Lichtjahre entfernt vom Radio-Spieß – szenisch praktisch heimatlos – hält uns CORTEZ ungewöhnliche und schillernde Indie-Pop-Musik vor die Sinneskuhlen, die schon beim ersten Hören Spaß macht und danach nur noch besser wird.

Und damit bloß keine Missverständnisse aufkommen: es geht um einen Pop-Blend von internationaler Originalität! Die Musik von CORTEZ ist ein bunter Bogen von Songs und Fragmenten, die bei aller tüfteligen Verspieltheit ganz viel Konsequenz, Geschmack und Humor abstrahlen: Das Trio entwirft Musik im Stil des Pop der letzten fünf Jahrzehnte und zerschneidet, bereichert, verbiegt und entführt diese an musikalische Orte, die nicht unbedingt weit entfernt vom Usprung, aber doch eindeutig woanders und vor allem im Heute sitzen.

Die Besetzung von CORTEZ ist ein ebenso extraordinärer Cocktail wie ihre Musik: Sänger Ricardo saugt sich seit seinen Kindertagen, in Bolivien und der niedersächsischen Provinz, Einflüsse aus den verschiedensten Welten und Lebensbereichen zusammen und verbastelt diese in seinen künstlerischen Kosmos von Musik und visuellen Künsten – ewig Reisender zwischen inneren und äußeren Kontinenten. Saiten-Captaino Gomez, geboren in Mexiko, beamt sich von einem musikalischen Spiralnebel in den nächsten: Konzertgitarre für Neue Musik, Weirdo-Jazz oder wie bei CORTEZ verzerrter Synthie-E-Bass und 70s-Solo-Gitarren. Er ist der virtuose Alien auf allen musikalischen Planeten. Und auch Torsten Otto (Drums, Sample-Pad, Handtuch und Shaker-Ei) hat nicht nur ein zu Hause. In Vortagen ehrlicher Handwerker und Live-Schlagzeuger der Eimsbusch-Connection; dann Zauberlehrling des deutschen Rick Rubin – Moses Schneider – und nicht zuletzt selbst Produzent und Engineer von Bands wie Feine Sahne Fischfilet, Beatsteaks, Kante und Herrenmagazin, reitet auch der Bass-Schlagzeuger von CORTEZ ständig den Drachen entlang der Splitterungen des modernen Lebens.

Elektro-akustischer Superior-Blend für Musikliebhaber
Wie in den Biografien der Drei passt bei CORTEZ vieles eigentlich nicht zusammen und tut es dann doch. So auch bei Ihrem ersten gemeinsamen musikalischen Wurf: Mit dem stellen die drei Individualisten das erste Mal unverstellt ihre Idee von Popmusik für Musikliebhaber zwischen 17 und 64 vor. Die Akustik-Gitarre ist der rote Faden, so unterschiedlich die Stücke auch sein mögen. Die Mehrzahl schmückt ein episches Ende von verführerischer Kraft und Schönheit und Brian Wilsons „Smile“ oder die späteren Beatles luken des öfteren irgendwie um die Ecke, aber auch Cornelius und Four Tet und Aerosmith AHHHHHHHHHHHHHH! Der splitterhaften Assoziationen gäbe es doch zu viele – das ist also Quatsch – lassen wir das! Vielleicht ist es einfach so etwas wie musikalischer Lucha-Libre (span. „Freistilkampf“).

Fazit: CORTEZ und ihre Musik, die da aus dem überall und nirgendwo herüberschallt, ist wortwörtlich „outstanding“ und gehört – auch live – mit zu dem Aufregendem was Sauerkrautland dieser Tage musikalisch zu bieten hat.

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